Mansfelder Bergbau & Hüttenwesen

Zur Notwendigkeit und zur Entwicklung der Grubenwehren
im Mansfelder Kupferschieferbergbau
von Martin Spilker
(Mitglied der Grubenwehr 1968 - 1991, davon Oberführer der Grubenwehr
Sangerhausen 1975 - 1987 und Niederröblingen 1987 - 1991)
2011


Abb. 1: Emblem der Grubenwehr, links: DDR, rechts: BRD

1. Vorbemerkung
Es ist keine Neuigkeit, dass der Beruf des Bergmanns, ja der Bergbau schlechthin lehrt, mit der Gefahr zu leben. Dies resultiert aus der Tätigkeit unter der Erdoberfläche, aus der Tätigkeit im künstlichen Licht und der räumlichen Enge mit den sich daraus ergebenden besonderen Bedingungen für die Ausführung sonst ganz banaler Tätigkeiten. Hinzu kommt die Notwendigkeit zur künstlichen Aufrechterhaltung der klimatischen Lebensbedingungen für den Menschen durch die Wetterführung, die oft ungenügende Kenntnis über die in der Grube und auf die Grube wirkenden natürlichen Einflußfaktoren wie Gebirgsdruck, Wasser- und Gaszutritt und dergleichen mehr.
Diese Bedingungen, die sich mit zunehmender Teufe und Technisierung noch verschärften, führten zu allen Zeiten und in allen Bergbauzweigen zu Verlusten an Menschen und Material, ja ganzen Gruben.
Der Kupferschieferbergbau stellte da keine Ausnahme dar. Hier sind neben Vorkommnissen durch Steinfall und im Förderprozess, den statistisch unfallträchtigsten Tätigkeiten, vor allem Gas- und Wasseraustritte, sowie Grubenbrände zu nennen.
Über die Zahl der Opfer an Bergleuten gibt es keine umfassenden Statistiken. Es ist aber bekannt, dass in der 800-jährigen Mansfelder Geschichte viele Bergleute unter Tage, und, im Zusammenhang mit der bergmännischen Tätigkeit, auch über Tage ihre Gesundheit oder ihr Leben verloren. Eine für den Wolf-/Fortschritt-Schacht 1 für die Zeit zwischen dem Teufen des Schachtes 1906 und der Produktionseinstellung 1967, also für rund 60 Jahre ermittelte Zahl, nennt für diesen Schacht 141 Personen, also durchschnittlich 2,3 Todesfälle/Jahr. Die Namen dieser Toten sind zur Erinnerung an alle Opfer im Denkmal für die Mansfelder Berg- und Hüttenleute in Eisleben hinterlegt (Abb. 2).


Abb. 2: Denkmal für die Mansfelder Berg- und Hüttenleute in Eisleben

2. Havarien und Vorkommnisse im Mansfelder Bergbau
Wie schon gesagt stellten Steinfall- oder Förderunfälle die Mehrzahl der Ereignisse, Wassereinbrüche, Gasaustritte, Brände oder technische Havarien waren aber in den Auswirkungen auf den Betriebsablauf von deutlich größerer Bedeutung.
Besonders im Gedächtnis haften geblieben und immer wieder mit "Mansfeld" in Verbindung gebracht, sind die Wassereinbrüche in die Gruben, die ihre Ursachen in der Wasserführung und der damit verbundenen Verkarstung des Hangenden der Kupferlagerstätte hatten. Sie sind vor allem aus der Mansfelder Mulde bekannt.

 
Abb. 3: Lage der Wassereinbrüche in der Mansfelder Mulde
(Bild anklicken um es zu vergrößern)

Die Wassereinbrüche begannen Ende des 19. Jahrhunderts im Südteil der Mansfelder Mulde (Abb. 3) westlich von Eisleben und entwickelten sich innerhalb von reichlich 20 Jahren entlang der Verbreitungsgrenzen des Werra- und des Staßfurt-Steinsalzes nach Norden bis zum Zirkel-Schacht. Die Einzelheiten dazu zeigt Abb. 4.


Abb. 4: Wassereinbrüche im Südteil der Mansfelder Mulde (nach LORENZ, 1962)

Sie erreichten im Südteil der Mansfelder Mulde traurige Berühmtheit, weil in ihrem Gefolge zum Beispiel der Salzige See (8,7 km² / 70 Mill. m³) verschwand und in Eisleben und seinem Umfeld über Jahrzehnte andauernde Senkungen die Erdoberfläche nachhaltig veränderten. Aber auch der Nordteil der Mansfelder Mulde um den Otto-Brosowski-Schacht blieb von solchen Ereignissen nicht verschont (Abb. 5).


Abb. 5: Nordteil der Mansfelder Mulde (nach LORENZ, 1962, ergänzt)

Es zeigte sich im Zuge der Auswertung dieser Ereignisse, dass alle Wassereinbrüche sich vorher unterschiedlich lange durch Zuflüsse geringerer Intensität (Tropfstellen oder Traufen) angekündigt hatten. Außerdem stellte sich heraus, dass besonders hohe Zuflussraten dort eintraten, wo der Einbruch nicht aus dem Zechsteinkalk sondern aus im Streckenquerschnitt aufgeschlossenem Steinsalz erfolgte (Abb. 6).


Abb. 6: Brosowski-Schacht,
letzter großer Wassereinbruch in der Mansfelder Mulde (1958)

Daraus ergaben sich wesentliche Lehren für den Schutz der Gruben vor Wassereinbrüchen, nämlich die regelmäßige Kontrolle aller Wasserzuflüsse nach Menge und Qualität, die Vermeidung von Auffahrungen im Steinsalz, sowie schonende Behandlung des Hangenden durch entsprechende Abbauführung. Aus der Forderung nach regelmäßiger Kontrolle der Zuflussstellen ergaben sich schließlich für die Grubenwehren zahlreiche und regelmäßige Einsätze. Die Erfahrungen aus der Mansfelder Mulde wurden auch im Revier Sangerhausen (Abb. 7) umgesetzt. Trotzdem war es auch hier nicht möglich, Wasserzuflüsse zu den Gruben zu verhindern.


Abb. 7: Thomas-Münzer-Schacht 1989

Neben den natürlichen Bedingungen wirkten sich besonders die staatlichen Anforderungen an die Produktionshöhe von Kupfererz nachteilig aus. Die intensive Überwachung ermöglichte es aber im Zusammenwirken mit umfangreichen technischen Maßnahmen (Dammtoren, Dämmen, Wasserhaltungen, Stauräumen) die Gruben des Sangerhäuser Reviers lange produktionsfähig zu halten. Einschneidende Einschränkungen gab es erst, als etwa ab 1985 im Westfeld und später auch im Ostfeld des Schachtes Sangerhausen erhebliche Wasserzugänge die Produktion zum Erliegen brachten (Abb. 8).


Abb. 8: Sangerhäuser Revier / Schacht Sangerhausen

Trotz der hohen finanziellen Belastung durch die zur Aufrechterhaltung der Gruben erforderlichen Wasserhaltungsmaßnahmen, die Beseitigung der Schäden in den Gruben und über Tage ist es stets als außerordentlich erfreulich empfunden worden, dass diese Ereignisse ohne Schäden für Leib und Leben der Belegschaft überwunden werden konnten.
Eine weitere Gefährdung für die Gruben bestand permanent durch Gasaustritte. Hier ist besonders der Methangehalt des Gebirges zu nennen, der bei unzureichender Wetterführung zu Methananreicherungen in den Wettern und auch zu Schlag- zu Schlagwetterexplosionen bzw. -verpuffungen führte. Dies ging nicht immer ohne Verletzungen oder Todesfälle ab. Aus der Mansfelder Mulde sind aus den letzten 40 Produktionsjahren etwa 30 derartige Ereignisse, 5 davon mit Personenschaden, bekannt. Im Revier Sangerhausen lag die Ereignisanzahl weit darunter. Verletzungen wurden nicht bekannt. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang aber auch Schwefelwasserstoff, der stets an Wasserzuflüsse gebunden war, und Stickstoff. Der Stickstoff war in der Regel in den Sandsteinen des Liegenden in den tieferen Sohlen anzutreffen und führte bei Initiierung durch Sprengarbeit in beiden Revieren oft zu explosionsartigen Gesteinsauswürfen. Dieses Phänomen wurde erst nach langwierigen Versuchen durch Umstellungen der Sprengtechnologie überwunden.


Abb. 9: Bernard-Koenen-Schacht 2 1989 und 1995

Einen besonderen Platz unter den Gasaustrittsstellen nahm der Aufschluss der sog. Hochscholle im Baufeld um den Schacht Nienstedt ein (Abb. 9). Hier wurden im Zuge der Streckenauffahrungen 1978 zunächst Wasserzuflüsse aus sog. geschlossenen Systemen (sog. Liegendwasser) angetroffen. Die Wassermengen steigerten sich allmählich auf max. ca. 0,5 m³/min und wurden dann von stickstoffreichen Gasen (N2-Gehalte > 97 %) begleitet. Dabei waren das größere Problem die Gasaustritte, zumal Drücke um die 1,6 MPa anstanden. Dieses Vorkommen von Wasser und Gas behinderte den Vortrieb erheblich und erforderte teilweise sogar, den Vortrieb durch die Grubenwehr zu gewährleisten. In Summe trat dadurch ein Zeitverzug von etwa 5 Jahren beim Aufschluss dieses Baufeldes ein. Bis zur vollständigen Entgasung wurden etwa 30 Mill m³ Gas abgefördert. Die Wassermenge lag insgesamt bei etwa 1,2 Mill.m³.
Nicht unerwähnt bleiben sollen in diesem Abschnitt auch einige spektakuläre technische Havarien. Gemeint sind hier nicht Vorkommnisse wie der Absturz von Förderwagen in den Schacht oder unkontrolliert erfolgende Salzwasserabgänge aus der Wasserhaltung in den Vorfluter, sondern solche Ereignisse wie der Absturz von 2 Fördergestellen und des Förderseils im Schacht Nienstedt (1961) oder der Abriss des Unterseils einer Förderung im Schacht Sangerhausen (1988). Auch derartige Havarien erforderten immer wieder operative Aktionen zu ihrer Beseitigung und zur Aufrechterhaltung der Produktion.
Das folgenschwerste Unglück, bei dem infolge von menschlichem Versagen ein Gummiförderband im Flügel 53 in der 11. Sohle des Schachtes Niederröblingen in Brand geriet, ereignete sich 1987.
Es forderte 3 Menschenleben und hatte einen zweiwöchigen Grubenwehreinsatz, hohen Produktionsausfall und den Verlust der havarierten Abteilung zur Folge.
Solche Ereignisse, wie sie oben geschildert wurden, führten letztlich zur Entstehung der Grubenwehren in allen Bergbaubetrieben, nicht nur bei der "Mansfeld".
Ihre Aufgabe war es
- Menschenleben zu retten und zu erhalten,
- Verunglückte zu bergen,
- Sacheigentum zu erhalten,
- die Produktion sicherzustellen.

3. Entwicklung des Grubenrettungswesens
Ein organisiertes Grubenrettungswesen entwickelte sich in allen Bergbauzweigen, also auch im Kupferschieferbergbau allmählich, nachdem es die technischen Möglichkeiten gestatteten, einen von der Umgebungsluft unabhängigen Atemschutz bereitzustellen.
Erste Angaben zur Bildung von Grubenwehren im Kupferschieferbergbau gibt es vom Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Bereits 1930 berichtet GÄNGEL in "Nappian und Neuke" darüber am Beispiel des Vitzthum-Schachtes.


Abb. 10: Vitzthum- / Thälmann-Schacht 1962

Die Notwendigkeit der zentralen Organisation ließ 1907 einen Grubenwehrstützpunkt, der für ganz Mitteldeutschland und damit auch für den Kupferschieferbergbau zuständig war, in Halle/Saale entstehen. 1938 erfolgte die Umbildung zur Bezirksrettungsstelle. Sie wurde 1950 auf dem Clotilde- (Max-Lademann-) Schacht (Abb. 11) in Eisleben angesiedelt, wo sie bis 1970 für die Ausbildung der Grubenwehren des Erz-, Kohle-, Kali- und Spatbergbaus dieses Raumes und die Bereitstellung einer Einsatzbereitschaft, (bestehend aus 2 Gruppen) verantwortlich war.


Abb. 11: Clotilde- / Lademann-Schacht etwa 1950

Ab 1970 wurde die fachliche Anleitung der Grubenwehren und die Ausbildung von technischen Mitarbeitern (Gerätewarte) und leitenden Kräften (Oberführer) für die Grubenwehren der DDR von der Hauptstelle für das Grubenrettungs- und Gasschutzwesen in Leipzig übernommen. Sie betreute später auch die Gasschutzwehren in Tiefbohrbetrieben, Schwelereien, Kokereien und Hüttenbetrieben. Die Hauptstelle war ein Funktionalorgan der Obersten Bergbehörde der DDR. Die Arbeit der Grubenwehr, die in allen Betrieben, die untertägigen Bergbau betreiben, also auch im Mansfeld-Kombinat auf jeder Schachtanlage unterhalten werden musste, wurde deshalb seitens der zuständigen Bergbehörde im Zusammenhang mit der Kontrolle des Jahresbetriebsplans durch Bezirksinspektoren überwacht.


Abb. 12: Rettungsstelle Thomas-Münzer-Schacht (oben)
und Bernard-Koenen-Schacht (unten)

Die 1965 innerhalb der Grubenwehren des Kupferschieferbergbaus mit Sitz in Niederröblinen (Abb. 12) gebildete Spezialistengruppe Taucher wurde fachlich angeleitet von der Taucherkommission des Seefahrtsamtes der DDR in Rostock. In jüngster Zeit werden die Grubenwehren fachlich von der Berufsgenossenschaft Bergbau betreut und in unserem Raum vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt in Halle, vertreten durch das Bergamt Staßfurt, beaufsichtigt. Die zuständige Zentralstelle für das Grubenrettungs- und Gasschutzwesen befand und befindet sich weiterhin in Leipzig.
Im Nachfolgebetrieb des Kupferschieferbergbaus, der GVV mbH Sondershausen, gibt es für die zur Stollenunterhaltung tätige Abteilung Bergsicherung keine eigene Grubenwehr mehr. Die Aufgaben sind an das Bergwerk "Glück auf" in Sondershausen übertragen worden. Die Abteilung Bergsicherung der GVV mbH mit Sitz auf dem W-Schacht in Wimmelburg (Abb. 13) ist gehalten, einige Mitarbeiter als Geräteträger (sog. ortskundige Führer) bereitzustellen.


Abb. 13: W-Schacht als Sitz der Abt. Bergsicherung der GVV mbH

4. Regeln für Ausbildung und Einsatz der Grubenwehr
Eine Grubenwehr war und ist eine Organisation von Freiwilligen zur Rettung von in Gefahr geratenen Bergleuten und zur Verhinderung und Bekämpfung von Havarien. In den Grubenwehren des Mansfeld-Kombinates waren ausschließlich Betriebsangehörige aus möglichst vielen Berufs- gruppen organisiert, um eine umfassende Einsetzbarkeit zu gewährleisten. Sie wurden nach strengen Kriterien (Gesundheit, Persönlichkeit, auch: Kampfgruppentauglichkeit) ausgewählt. Spezielle Qualifikationen, wie sie der Bergbau erforderte (Anschläger, Selbstfahrer, Lokfahrer) und die Handhabung der Löschtechnik usw. wurden im Rahmen der Ausbildung erworben (Abb. 14).


Abb. 14: Praktische Ausbildung der Grubenwehr

Die Grubenwehren Sangerhausen und Niederröblingen hatten eine Sollstärke von je 50 Wehrleuten. Die Ist-Stärke lag immer etwas darüber. Von den Mitgliedern der Wehr besaßen jeweils 15 % die Qualifikation eines Oberführers (ingtechnisches Personal), 15 % die eines Gerätewarts (Metall- handwerker), 20 % die eines Gruppenführers. Etwa 20 % der Wehrmitglieder gehörten der Spezialistengruppe der Taucher an. Die Leitung der Wehr mit der Hauptaufgabe der Gewährleistung der umfassenden Einsatzbereitschaft hatte der Oberführer. Er nahm diese Tätigkeit nebenamtlich wahr. Das einzige hauptamtliche Mitglied der Grubenwehr war auf beiden Schachtanlagen jeweils ein Gerätewart. Er hatte die ständige Einsatzbereitschaft der Atemschutztechnik, für deren Wartung es spezielle Vorschriften gab, zu sichern (Abb. 15).


Abb. 15: Geräteraum in der Rettungsstelle Bernard-Koenen-Schacht (oben)
und Blick in ein Gerät R 1710817108 (unten)

Die Ausbildung der Wehrmitglieder erfolgte monatlich und außerhalb der Arbeitszeit, also in Überstunden. Außerdem wurde jährlich ein Wochenlehrgang abgehalten, für den die Wehr- mitglieder freigestellt wurden. Besonderer Wert wurde auf die Gewöhnung an Sichtbehinderung, hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und die ständige Anpassung der Ausbildung an neue wissenschaftliche Erkenntnisse gelegt. Für die Ausbildung z. B. unter Sichtbehinderung oder bei hohen Temperaturen bestand auf dem Thomas-Münzer-Schacht über Tage eine spezielle Übungsstrecke.
Die Einsätze der Wehr erfolgten nach Einweisung durch den Oberführer ausschließlich in Gruppen zu 5 Mann unter der Leitung eines Gruppenführers.


Abb. 16: ine Gruppe der Grubenwehr rückt aus (oben) und macht sich zum Einsatz fertig (unten)

Ein Einsatz unter Gerät (Atemschutztechnik) begann auf Anweisung des Oberführers in der Bereitschaftsstelle, wenn eine zweite Gruppe mit Atemschutzgerät dort als Sicherheitsreserve bereitstand. In der Bereitschaftsstelle hielten sich weiter mindestens ein Gerätewart mit Verschleiß- und Ersatzmaterial (Sauerstoff, Alkalipatronen) und Prüfgerät für die Atemschutzgeräte, ein Arzt, ggf. weitere Hilfskräfte auf.
Die Lage der Bereitschaftsstelle wurde von der Einsatzleitung über Tage möglichst nahe am Einsatzort, aber im Frischwetterstrom und an einem Telefonstandort festgelegt, damit der Oberführer telefonische Verbindung halten konnte. In der Einsatzleitung war ebenfalls ständig ein Oberführer anwesend. Auch für den Einsatz selbst gab es konkrete Einsatzvorschriften.

5. Ausrüstung der Grubenwehr
Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände waren die Atemschutzgeräte. Ihnen galt die besondere Aufmerksamkeit in Ausbildung und Einsatz, denn von ihrem Funktionieren hing in jedem Fall das Leben des Wehrmanns ab. Es handelte sich um Geräte, bei denen die Atemluft im Kreislauf geführt, von CO
2 befreit und mit Sauerstoff angereichert wird. Die Menge der eingeatmeten Luft wird dabei entsprechend dem Bedarf des Geräteträgers lungenautomatisch gesteuert. Die Geräte erlaubten, je nach dem mitgeführten Sauerstoffvorrat, eine Benutzung von etwa 2 bis etwa 4 Stunden, in denen man völlig unabhängig von der Außenluft agieren konnte.


Abb. 17: Der Aufbau der Kreislaufgeräte von 1930 (oben)
und 1980 (unten) ist prinzipiell gleich

Die Spezialistengruppe Taucher benutzte Druckluftgeräte mit 1 bis 3 Vorratsflaschen, die ebenfalls lungenautomatisch gesteuert die Luft abgaben, deren ausgeatmete Luft aber entwich.


Abb. 18: Taucher während der Ausbildung, oben: Nassanzug, unten: Konstantvolumenanzug

Die Benutzungszeiten liegen je nach Luftvorrat und Tauchtiefe max. bei etwa 2 Stunden. Die Taucher waren als sog. Schwimmtaucher (Nassanzug) und als schwere Taucher (Konstantvolumenanzug, z.T. Taucherhelm) ausgebildet. Außerdem besaß die Grubenwehr für die Absicherung der Tauchereinsätze eine transportable und in Niederröblingen eine stationäre Druckkammer.

6. Einsätze der Grubenwehr
Die Einsätze der Grubenwehr erfolgten sowohl planmäßig als auch durch Alarmierung. Planmäßige Einsätze wurden in der Regel genutzt, um zur Absicherung des laufenden Betriebsgeschehens in nicht bewetterten oder gaserfüllten Grubenteilen notwendige Kontrollen oder Reparaturen durchzuführen. Es wurden aber auch vereinzelt Streckenvortriebsarbeiten unter Gerät vorgenommen, z.B. 1978 beim Aufschluss der sog. Hochscholle in Nienstedt wegen der Austritte von Stickstoff. Des weiteren waren in Sangerhausen solche Einsätze (monatlich 1 bis 6) regelmäßig zur Kontrolle von Wasserzuflüssen, die mit Schwefelwasserstoffaustritten verbunden waren, oder von unbewetterten Dammtoren nötig.
Die Spezialistengruppe Taucher leistete viele Einsätze zur Reparatur an Dämmen im eigenen Betrieb, zur Suche von Vermissten und zur Bergung von Toten oder Objekten aus Gewässern oder Schächten (z. B. Neuhoffnungs-Schacht in Ilmenau), zur Überwachung und Sicherung von Wasserkraftwerken (Vockerode, Markersbach), usw.
Nicht unerwähnt bleiben darf der mehrfache Einsatz der Mansfelder Grubenwehren bei Katastrophen mit vielen Opfern in anderen Bergbauzweigen. Es ist hier zu denken an Schacht 250 in Niederschlema (1955), an Martin Hoop (1952) und Karl Marx (1960) in Zwickau oder an die Grubenbrandbekämpfung in Rottleberode (1982).
Einsätze unter Alarmbedingungen gab es auch im Kupferschieferbergbau immer wieder. Erinnert sei nur an die größeren Einsätze, wie 1954 beim Brand in der Zahnradbahn im Fortschritt-Schacht 1, wie 1958 beim Wassereinbruch und wenige Wochen später bei einem Gasaustritt in der Folge eines Gebirgsschlages im Otto-Brosowski-Schacht. Hier musste 1965 außerdem ein weiterer Grubenbrand bekämpft werden.
Der bezüglich seiner Dauer, seiner Auswirkungen und der Anzahl der eingesetzten Grubenwehren bedeutendste Einsatz fand statt zwischen dem 19. Januar und dem 1. Februar 1987 im Bernard-Koenen-Schacht Niederröblingen (Abb. 19).


Abb. 19: Lage der Bereitschaftsstellen
(Bild anklicken um es zu vergrößern)

In der Nachtschicht vom 18. zum 19. Januar 1987 brach in der Schachtanlage "Bernard-Koenen" in Niederröblingen im Flügel 53 in der 11. Sohle ein Grubenbrand mit so verheerenden Folgen aus, dass er zu den schwersten Katastrophen in der 800-jährigen Geschichte des Kupferschieferbergbaus gerechnet werden muss. Drei Bergleute, Franz König (58 Jahre alt), Wolfgang Siegel (45 Jahre alt) und Klaus Schreiner (31 Jahre alt), fanden den Tod.

Weitere Informationen zum Grubenbrand im Bernard-Koenen-Schacht Niederröblingen 1987 finden Sie hier >>>


Abb. 20: Situation im Flügel 53,
Rissausschnitt (oben) und Skizze (unten)


Abb. 21: Beispiel für einen Einsatzauftrag an die Einsatzgruppe
(Bild anklicken um es zu vergrößern)

7. Schlussbemerkung
Abschließend lässt sich sagen, dass die Grubenwehren seit ihrer Entstehung stets eine hohe Einsatzbereitschaft an den Tag legten und so zur Sicherung der Produktion und zur Erhaltung des Lebens und der Gesundheit der Bergleute beitrugen ohne selbst Verluste an Menschenleben oder Unfälle beklagen zu müssen. Sie waren vor allem in den letzten Jahrzehnten bis zur Beendigung des Bergbaus ein zuverlässiger und selbstloser Bestandteil der Belegschaft.
Diese Leistungen wurden auch seitens des Staates gewürdigt, indem jährlich Auszeichnungen für langjährige Mitgliedschaft und für Verdienste um das Grubenrettungs- und Gasschutzwesen vergeben wurden (Abb. 22).
Die Angehörigen der Grubenwehren beider Schächte pflegten ihr Zusammengehörigkeitsgefühl auch außerhalb des Betriebes, z. B. mit dem jährlichen Grubenwehrvergnügen, bei dem auch die sonst nur unter der Abwesenheit ihrer Männer leidenden Ehefrauen und Freundinnen sich rege beteiligten. Außerdem prämierte die Betriebsleitung einzelne Wehrleute für ihre Einsatzbereitschaft. Diese Art der Traditionspflege wurde bis ins Jahr 2009 fortgesetzt.


Abb. 22: Letzte Auszeichnung langjähriger Mitglieder 1989


Abb. 23: Treffen der Grubenwehr 2005

  

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